"Schmerzlicher Themenbereich": Viele Kindergarten-Profis beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern - aber intervenieren nicht
"Schmerzlicher Themenbereich": Viele Kindergarten-Profis beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern - aber intervenieren nicht
"Ein schmerzhaftes Thema": Viele Kita-Fachkräfte beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern – greifen aber nicht ein
GÜTERSLOH. Unangemessenes Verhalten von Mitarbeitenden gegenüber Kindern wird in Kindertageseinrichtungen offenbar weit häufiger beobachtet, als in der Öffentlichkeit bekannt ist.
Ein aktueller Bericht offenbart gravierende Bedenken hinsichtlich der Kindersicherheit in Kitas bundesweit. Zahlreiche Erzieher:innen und Leitungen berichten, regelmäßig Situationen zu erleben, in denen sie das Gefühl haben, eingreifen und Kinder schützen zu müssen. Die Ergebnisse zeigen Lücken in der Personalausstattung, unklare Standards und ein fehlendes gemeinsames Verständnis darüber, was im Umgang mit kleinen Kindern als angemessenes Verhalten gilt.
Mehr als ein Viertel der Fachkräfte aus der frühen Kindheit gibt an, fast täglich oder sogar ständig Interaktionen zu beobachten, die ein Einschreiten erfordern. Ein weiteres Drittel stößt gelegentlich auf solche Situationen – nur 40 Prozent behaupten, sie würden derartiges Verhalten nie oder fast nie wahrnehmen. Die Studie definiert nicht, was genau unter „unangemessen“ oder „schädlich“ zu verstehen ist, sondern stützt sich auf die subjektive Einschätzung der Mitarbeitenden, wann sie sich zum Handeln veranlasst fühlen.
Häufig hält Unsicherheit Erzieher:innen jedoch davon ab, einzugreifen – selbst wenn sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt. Die größte Hürde ist die Zweifel, ob sie die Situation richtig beurteilen. Auch Teamdynamiken und die Angst vor Konflikten spielen eine Rolle. In fast allen Kitas fehlt es an einer klaren, gemeinsamen Vorstellung davon, was als akzeptables Verhalten gegenüber Kindern gilt. Nur sechs Prozent der Befragten bestreiten, dass es in ihren Teams unterschiedliche Auffassungen dazu gibt. Gleichzeitig fühlen sich 69 Prozent der Fachkräfte stark oder zumindest etwas belastet, wenn sie Kinder in Schutzbedürftigkeit erleben.
Fachverbände fordern nun dringend Veränderungen. Sie betonen, dass zwar eine bessere Personalausstattung notwendig sei – doch allein mehr Personal garantiere noch keine Kindeswohlsicherung. Respektvolle Kommunikation, regelmäßiges Feedback und eine Führungsebene, die Bedenken ernst nimmt, gelten als zentrale Schutzfaktoren. Solche Praktiken sind jedoch in vielen Einrichtungen noch unterentwickelt.
Der Bericht unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen in Kitas: von unklaren Verhaltensregeln bis hin zur Zurückhaltung der Mitarbeitenden, Probleme anzusprechen. Ohne verbindlichere Leitlinien und Unterstützungssysteme bleiben Kinder potenziell gefährdet, in prekären Betreuungssituationen zu landen. Fachgremien setzen sich weiterhin für Reformen ein, die sowohl die Kindersicherheit als auch eine hochwertige frühkindliche Bildung in den Mittelpunkt stellen.
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