Satiriker Jacques Tilly drohen 15 Jahre Haft wegen Putin-Karikaturen
Satiriker Jacques Tilly drohen 15 Jahre Haft wegen Putin-Karikaturen
Der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly sieht sich in Russland mit schweren Vorwürfen konfrontiert – wegen seiner satirischen Werke. Ein Moskauer Gericht wirft ihm vor, falsche Behauptungen über die russische Armee verbreitet und politischen Hass geschürt zu haben. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen seine Karnevalswagen, mit denen er immer wieder Mächtige verspotten hat – darunter Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine.
Die Anklage wurde erstmals am 24. Dezember 2021 bekannt. Ein Telegram-Kanal mit 1,6 Millionen Abonnenten berichtete über die Vorwürfe, die später von anderen Medien aufgegriffen wurden. Die Oppositionsgruppe 'Freies Russland NRW' informierte Tilly daraufhin über das Verfahren.
Das Basmanny-Gericht in Moskau wirft Tilly vor, aus Eigeninteresse und politischer Feindseligkeit gehandelt zu haben. Seine Wagen, bekannt für ihren beißenden Humor, richteten sich wiederholt gegen Putin, den Ukraine-Konflikt und andere brisante Themen. Über die Jahre hinweg nahm Tilly auch die katholische Kirche, Politiker und rechtsextreme Führer aufs Korn. Ein Prozesstermin ist auf den 24. Dezember angesetzt, doch Tilly wird nicht erscheinen. Die russischen Behörden haben ihn nie offiziell benachrichtigt. Dennoch gibt er sich kämpferisch: Er plant, die Vorwürfe öffentlich während des Düsseldorfer Rosenmontagszugs am 16. Februar 2026 zu thematisieren. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Tilly verteidigt seine Arbeit seit Langem als Recht eines Narren und versteht Satire als Mittel der Kritik.
Der Fall zeigt die Risiken politischer Satire in Russland auf. Tillys Abwesenheit vom Prozess schwächt seinen Widerstandswillen nicht. Stattdessen wird er mit einem Karnevalswagen antworten – und damit eine Tradition mutiger, provokativer Kunst fortsetzen, die ihn sowohl berühmt als auch umstritten gemacht hat.
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