24 March 2026, 02:19

Biogasbranche kämpft um Überleben: Stillstand durch Förderlücken und EU-Bürokratie

Diagramm, das die Stromerzeugung aus Biomasse von 2021 bis 2022 zeigt, mit begleitendem Text.

Biogasbranche kämpft um Überleben: Stillstand durch Förderlücken und EU-Bürokratie

Deutschlands Biogasbranche steht vor wachsenden Herausforderungen: Rechtliche Unsicherheiten und Finanzierungslücken bedrohen den Betrieb von Anlagen. Die Verzögerung der EU-Kommission bei der Genehmigung des neuen Biogasgesetzes hält Investoren zurück, während überzeichnete Ausschreibungen viele Projekte ohne Förderung lassen. Familien wie die Bennings aus Reken-Hülsten spüren die Folgen bereits – nach dem Auslaufen von Subventionen mussten sie eine wichtige Biogasanlage abschalten.

Die Familie Benning betrieb in Reken-Hülsten eine Biogasanlage, in der kürzlich eines der Blockheizkraftwerke (BHKW) stillgelegt wurde. Der Grund: Nach 20 Jahren endete die EEG-Förderung, sodass der Weiterbetrieb unwirtschaftlich wurde. Die Folge: Lokale Wärmeabnehmer mussten wieder auf fossiles Erdgas für ihre Heizungen umsteigen.

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2023 bewarb sich die Familie bei der Bundesnetzagentur um einen Anschlusszuschuss – vergeblich. Trotz des Rückschlags plant sie nun, den Standort Maria Veen für eine flexible, bedarfsgerechte Stromerzeugung umzurüsten. Das Ziel: in künftigen, zunehmend kompetitiven Ausschreibungsrunden bestehen zu können.

Seit 2023 sind Biogas-Ausschreibungen regelmäßig überzeichnet – allein im Oktober 2024 scheiterten zwei Drittel der Bewerber. Die Situation spiegelt die generellen Schwierigkeiten der Branche wider, obwohl Biogas theoretisch bis zu 50 Prozent des verbleibenden Strombedarfs Deutschlands decken könnte. Eine Studie aus dem Jahr 2024 geht sogar davon aus, dass Biogas bis 2040 die Hälfte der fehlenden Kapazitäten in Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom ausgleichen könnte.

Das Ende 2024 verabschiedete Biogas-Paket sieht zwar bessere Bedingungen für Anlagen vor, die flexibel Strom liefern. Doch die ausstehende EU-Genehmigung schafft rechtliche Unsicherheit und bremst neue Investitionen aus. Gleichzeitig arbeiten in Nordrhein-Westfalen bereits rund 1.100 Biogasanlagen flexibel und erzeugen wetterunabhängig Strom und Wärme.

Bundesweit gibt es etwa 10.000 landwirtschaftliche Biogasanlagen – doch viele von ihnen blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Entwürfe zur EEG-Novelle sehen zwar moderate Ausbauziele bis 2032 vor, doch unklar bleibt, wie viele Anlagen bis 2031 auf flexible Erzeugung umstellen müssen.

Die Zukunft der Biogasbranche hängt nun von klaren regulatorischen Rahmenbedingungen und erfolgreichen Ausschreibungsteilnahmen ab. Solange die EU das neue Gesetz nicht freigibt, werden Investitionen aufgeschoben – mit dem Risiko weiterer Anlagenstilllegungen. Betreiber wie die Bennings passen sich zwar an, doch die langfristige Stabilität des Sektors steht und fällt mit politischen Weichenstellungen und einem fairen Zugang zu Fördermitteln.

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