Vom Tagebau zum See: Wie Rheinwasser das rheinische Revier für immer verändert
Julian KleinVom Tagebau zum See: Wie Rheinwasser das rheinische Revier für immer verändert
Drei riesige Braunkohletagebaue im rheinischen Revier werden bald zu Seen – geflutet mit Wasser aus dem Rhein. Ab 2030 beginnt die Umwandlung der Gruben Hambach und Inden, gefolgt von Garzweiler im Jahr 2036. Das vom Energiekonzern RWE geleitete Projekt umfasst eine 45 Kilometer lange Pipeline, die Flusswasser in die ehemaligen Abbaugebiete leiten soll – doch nicht alle sind überzeugt, dass alles reibungslos verlaufen wird.
RWE hat bereits Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipeline-Bau erhalten. Doch die Erlaubnis, Wasser in den Tagebau Hambach einzuleiten, steht noch aus. Zwei weitere Bewilligungen – eine für die Rheinwasserentnahme und eine für die Einleitung in die Grube – fehlen noch, bevor die Flutung 2030 offiziell beginnen kann.
Eine 45 Kilometer lange Leitung, bestehend aus 10.000 Rohren mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern, soll Rheinwasser in den Tagebau Hambach transportieren. Das Befüllen der Seen wird 40 Jahre dauern, und über Jahrzehnte hinweg muss zusätzliches Rheinwasser zugeführt werden, um den Wasserstand stabil zu halten. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als Zeichen von "Verlässlichkeit und Zukunftschancen" und betonte, sie werde neue Seen schaffen, Feuchtgebiete schützen und den regionalen Wasserkreislauf ausgleichen.
Doch die Bedenken bleiben. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" hinterfragen das Vorhaben und warnen vor der Wasserqualität sowie dem Vorkommen von "Ewigkeitschemikalien" wie PFAS. Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative "Bürirer für Bürir" nannte RWEs Vorgehen eine "erstklassige Konzernstrategie", warnte jedoch, das Unternehmen könnte sich letztlich zurückziehen. Gleichzeitig sorgt Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region für zusätzliche Sorgen um Wasserknappheit, da es enorme Mengen für die Kühlung verbrauchen wird.
Lokale Verantwortungsträger sehen durchaus Chancen. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller erwartet, dass der künftige "Elsdorfer See" das Profil der Stadt aufwertet. Langfristig soll aus den ehemaligen Tagebauen ein Zentrum für Tourismus, Naturschutz und Freizeit entstehen.
Die Flutung der Gruben Hambach, Garzweiler und Inden markiert einen historischen Wandel – weg vom Kohleabbau, hin zu Erholung und Ökologie. Gelingt das Vorhaben, werden die Seen die Landschaft und Wirtschaft der Region nachhaltig prägen. Doch mit noch ausstehenden Genehmigungen und ungelösten Umweltfragen bleibt der Erfolg des Projekts ungewiss.






