Schweizer Pflegedienst schließt Generation Z von Stellenausschreibung aus – und löst Debatte aus
Julian KleinSchweizer Pflegedienst schließt Generation Z von Stellenausschreibung aus – und löst Debatte aus
Ein Schweizer Pflegedienst hat eine Debatte ausgelöst, nachdem er in einer Stellenausschreibung eine gesamte Altersgruppe ausgeschlossen hat. Der Spitex-Dienst Fit for Care veröffentlichte eine Anzeige, in der Bewerber:innen der Generation Z explizit abgelehnt wurden. Der Schritt folgt anhaltenden Diskussionen über Arbeitsmoral und generationenbedingte Unterschiede am Arbeitsplatz.
Unterdessen widerlegt eine aktuelle Studie Klischees, wonach jüngere Arbeitnehmer:innen weniger engagiert seien oder häufiger fehlen würden.
Die auf jobs.ch veröffentlichte Stellenausschreibung suchte eine:n „Teamleiter:in Pflege mit Herz und Verstand – keine Generation Z“. Zudem wurde eine „Montag/Freitag-Krankmeldungsmentalität“ erwähnt – ein Hinweis auf Bedenken wegen häufiger Kurzzeiterkrankungen. Auf Nachfrage der NZZ am Sonntag weigerte sich das Unternehmen, zu begründen, warum es eine Altersgruppe gezielt ausgeschlossen hatte. Kurz darauf wurden die Verweise auf die Generation Z und das Fehlzeitenverhalten von der Website entfernt.
Der Vorfall steht im Kontext wachsender generationenbedingter Spannungen in Betrieben. Personalverantwortliche verzeichnen zunehmende Konflikte wegen unterschiedlicher Wahrnehmungen der Arbeitsmoral, wobei ältere Mitarbeiter:innen jüngere Kolleg:innen mitunter kritisieren. Vor zwei Jahren sorgte der Graubündner Hotelier Ernst „Aschi“ Wyrsch mit der Bezeichnung junger Menschen als „verweichlicht“ für Schlagzeilen – eine Äußerung, die auf massive Kritik stieß.
Doch die Daten erzählen eine andere Geschichte. Das Bundesamt für Statistik (BFS) zeigt, dass junge Berufstätige Mitte 20 im Schnitt fast zwei Wochen pro Jahr krankheitsbedingt fehlen. Dieser Wert ist seit 2020 gestiegen, doch Forscher:innen führen dies auf gesellschaftliche Veränderungen zurück – nicht auf mangelnden Einsatz. Im März 2025 veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Ergebnisse, die belegen, dass die Generation Z nicht grundsätzlich weniger leistungsbereit ist als ältere Generationen.
Die umstrittene Spitex-Stellenausschreibung unterstreicht die anhaltende Diskussion über generationengerechte Einstellungspraktiken. Zwar hat das Unternehmen die Anzeige inzwischen überarbeitet, doch die Kontroverse wirft grundsätzliche Fragen zu Erwartungen im Arbeitsumfeld auf. Die IAB-Studie und die offiziellen Fehlzeitenstatistiken deuten darauf hin, dass gängige Annahmen über jüngere Arbeitnehmer:innen oft nicht der Realität entsprechen.






