Schweiz überdenkt Atomausstieg – Energieminister Rösti will Kernkraftwerke länger laufen lassen
Julian KleinSchweiz überdenkt Atomausstieg – Energieminister Rösti will Kernkraftwerke länger laufen lassen
Schweizer Energieminister Albert Rösti hat eine Kehrtwende in der Haltung des Landes zur Kernenergie angedeutet. Auf einem internationalen Atomenergie-Kongress in Paris sprach er sich dafür aus, die 2017 beschlossene Abschaltung der Kernkraftwerke in der Schweiz neu zu bewerten. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der Europa ein wiedererstarktes Interesse an der Atomkraft verzeichnet.
Rösti ging auch auf Bedenken zur Energiesicherheit ein, darunter mögliche Folgen der steigenden Spannungen im Iran.
Auf dem Pariser Kongress betonte Rösti, dass sich die globale Einstellung zur Kernenergie seit dem Schweizer Ausstiegsplan von 2017 gewandelt habe. Er argumentierte, dass die Beibehaltung der Kernkraft als Option es dem Land ermöglichen würde, eine aktivere Rolle auf dem europäischen Energiemarkt zu spielen. Die Veranstaltung selbst unterstrich diese Sichtweise, da die Teilnehmer die Renaissance der Atomenergie in ganz Europa hervorhoben.
In der Schweiz selbst bleiben die politischen Fronten jedoch verhardt. Der Ständerat lehnte kürzlich einen Vorschlag ab, der den Bau neuer Kernkraftwerke verbieten sollte, doch im Nationalrat wird eine baldige Abstimmung erwartet, die deutlich knapper ausfallen dürfte. Unterdessen setzt sich Rösti für eine Verlängerung der Laufzeiten bestehender Anlagen ein, etwa der Kraftwerke Leibstadt und Gösgen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Energiesicherheit. Zwar ist die Schweiz nicht direkt von den Konflikten im Iran betroffen, doch räumte Rösti ein, dass eine Eskalation die Ölversorgung stören und die Preise in die Höhe treiben könnte. Als Vorsorge arbeitet er an Maßnahmen, um die Lagerbestände zu sichern und stabile Reserven zu gewährleisten. Die starke Vernetzung des Landes mit dem europäischen Stromnetz – über 42 grenzüberschreitende Leitungen – verkompliziert die Lage zusätzlich.
Röstis Aussagen spiegeln eine grundsätzliche Neubewertung der Kernenergie in der Schweiz wider. Die Regierung prüft derzeit langfristige Energiestrategien, darunter auch die Zukunft der bestehenden Kraftwerke. Gleichzeitig werden Notfallpläne für mögliche Versorgungsrisiken bei Öl finalisiert, um sich gegen geopolitische Instabilitäten abzusichern.






