19 March 2026, 16:21

NRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Versorgungsengpässe

Schwarze und weiße Zeitung mit der Überschrift "Berliner Wespen, August 6, 1875", die eine Gruppe von Menschen in Not zeigt.

NRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Versorgungsengpässe

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste am Donnerstag gegen geplante Honorarkürzungen vor. Die Kundgebungen finden in mehreren Großstädten statt, darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld. Die Veranstalter warnen, dass die finanzielle Belastung ein bereits überlastetes psychotherapeutisches Versorgungssystem weiter an den Rand der Überlastung bringen könnte.

Die Psychotherapeutenkammer NRW hat Bedenken geäußert, dass die geplante Kürzung der Erstattungssätze um 4,5 Prozent, die ab dem 1. April 2026 in Kraft treten soll, die bestehenden Probleme verschärfen wird. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdienen derzeit weniger als alle anderen Fachärzte im deutschen Gesundheitssystem. Patientinnen und Patienten im Land müssen bereits im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten, in ländlichen Regionen können sich die Wartezeiten auf bis zu ein Jahr ausdehnen.

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Die Erlangung eines Kassensitzes – der für die Behandlung von Kassenpatienten erforderlichen Zulassung – bleibt ein kostspieliges und unberechenbares Unterfangen. Moritz Esser-Wolters, ein Psychotherapeut aus Coesfeld, investierte 50.000 Euro, um seine Praxis zu eröffnen. Bundesweit fehlen Schätzungen zufolge etwa 7.000 solche Zulassungen, wobei NRW zu den am stärksten betroffenen Regionen gehört. Veraltete Planungsvorgaben haben dazu geführt, dass viele Gebiete, insbesondere ländliche Regionen, massiv unterversorgt sind.

Kritiker argumentieren, dass niedrigere Honorare neue Therapeuten davon abhalten werden, in den Beruf einzusteigen. Dies könnte die Wartezeiten weiter in die Höhe treiben und es Patientinnen und Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung noch schwerer machen, zeitnah eine Behandlung zu erhalten.

Die Proteste erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die Krankenkassen mit der Umsetzung der geplanten Kürzungen voranschreiten. Sollten die Einschnitte tatsächlich kommen, könnte dies die Zahl der verfügbaren Therapeuten verringern und die finanziellen Hürden für diejenigen erhöhen, die eine Praxis eröffnen möchten. Patientinnen und Patienten, die auf die gesetzliche Krankenversicherung angewiesen sind, müssten dann in einem ohnehin schon von Engpässen geprägten System noch länger auf eine Therapie warten.

Quelle