30 March 2026, 08:20

Geheimes Schreiben löst Debatte über umstrittene Abschiebepraxis aus

Eine Gruppe von Menschen mit einem Banner "Deutschland, Lagerland Migration ist kein Verbrechen" und einer Flagge, mit Laternenmasten, Lichtern, Bäumen, Kränen, einem Gebäude und einem bewölktem Himmel im Hintergrund.

Geheimes Schreiben löst Debatte über umstrittene Abschiebepraxis aus

Ein internes Schreiben der Aufnahmestelle Niedersachsens, das an die Öffentlichkeit gelangt ist, hat eine Debatte über Abschiebepraktiken ausgelöst. Das Dokument, gerichtet an die Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf, beschrieb Bedingungen, unter denen gescheiterte Abschiebungen es Betroffenen ermöglichen könnten, eigenständig zu ihrer zugewiesenen Unterkunft zu reisen. Behördenvertreter betonten im Nachhinein, dass es sich dabei nicht um eine allgemeingültige Richtlinie handele.

In dem Schreiben hieß es, dass Personen, die sich gegen eine Abschiebung wehren oder die Mitwirkung an einem Flug verweigern, freigelassen werden könnten, um auf eigene Faust ihre Unterkunft zu erreichen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass gescheiterte Abschiebungen keine künftigen Versuche ausschließen – die Behörden würden den Fall stattdessen anhand des Verhaltens der Betroffenen neu bewerten.

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Die niedersächsische Aufnahmestelle bezeichnete die Formulierungen später als "extrem missverständlich und unpräzise". Man betonte, es handele sich nicht um eine Anweisung, und es gebe keine pauschale Regelung für Personen, die sich einer Abschiebung widersetzen. Die Bundespolizei, die für Abschiebungen zuständig ist, bestätigte, dass Verfahren nur aus konkreten Gründen – etwa gesundheitlichen Problemen oder aktivem Widerstand – gestoppt würden, nicht jedoch bei bloßer Unwilligkeit.

Das Dokument sorgte für breite Aufmerksamkeit, nachdem es in sozialen Medien geteilt worden war, unter anderem vom Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt. Offizielle Zahlen dazu, wie viele Abschiebungen im ersten Halbjahr 2024 aufgrund von Widerstand oder anderen Gründen scheiterten, liegen nicht vor.

Die Kontroverse wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Diskussionen über Abschiebeverfahren in Deutschland. Zwar sollte das Schreiben keine verbindliche Regelung schaffen, doch sorgten die Formulierungen für Verunsicherung. Die Behörden halten daran fest, dass jeder Fall individuell geprüft werde – alleiniger Widerstand reiche nicht aus, um weitere Abschiebungsversuche zu verhindern.

Quelle