Ärzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Impfkompetenz
Felix HoffmannÄrzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Impfkompetenz
Ein erbitterter Streit ist zwischen Apothekern und Ärzten über Pläne zur Ausweitung von Impfungen in Apotheken in Deutschland entbrannt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lehnt den vorgeschlagenen Entwurf des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) vehement ab und warnt vor Risiken durch Tests, die von nicht-ärztlichem Personal durchgeführt werden. Die Apotheker kontern scharf, verteidigen ihre Fachkompetenz und kritisieren, was sie als veraltete Einstellungen bezeichnen.
KBV-Chef Dr. Andreas Gassen wirft dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) vor, Apotheken ungerechtfertigt zu bevorzugen. Er argumentiert, während Apotheken eine zusätzliche Milliarde Euro für Abgabegebühren erhielten, gingen Arztpraxen leer aus. Gassen warnt zudem, die Ausweitung könnte zu unkontrollierten Tests durch ungeschultes Personal führen – und bezeichnet Apotheker dabei pauschal als „medizinische Laien“.
Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme wies Gassens Äußerungen umgehend als unwissend und arrogant zurück. Sie betonte, dass Pharmakologie und klinische Pharmazie fester Bestandteil der Apothekerausbildung seien und so fundiertes Wissen zu Arzneimittelsicherheit, Wechselwirkungen und korrekter Anwendung vermittelt werde. Reher-Gremme erinnerte daran, dass Apotheker während der Pandemie eine zentrale Rolle spielten – etwa bei der sicheren Verabreichung von Grippe- und COVID-19-Impfungen, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen sei.
Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Antibiotika-Einsatzes wies sie zurück: Apotheker seien sich der Resistenzgefahren bewusst und gingen verantwortungsvoll mit solchen Medikamenten um. Reher-Gremme forderte die Ärztevertreter auf, den Beitrag der Apotheker anzuerkennen und statt pauschaler Abwertung einen konstruktiven Dialog zu suchen.
Gassen kritisierte zudem, das BMG lasse die Ausgaben im Krankenhausbereich ausufern, während es Apotheken zusätzliche Mittel zukommen lasse. Der Konflikt spiegelt die grundsätzlichen Spannungen über die Rolle der Apotheken im Gesundheitswesen und die Verteilung von Ressourcen wider.
Die Zukunft der apothekenbasierten Impfungen bleibt ungewiss. Während Apotheker auf ihre Ausbildung und bewährte Praxis verweisen, um erweiterte Aufgaben zu rechtfertigen, warnen Ärzte vor möglichen Risiken. Die Entscheidung wird davon abhängen, ob die Politik es schafft, Sicherheitsbedenken mit dem Wunsch nach einer stärkeren Einbindung der Apotheken in die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Einklang zu bringen.






