Alfred Grosser – ein Leben für die deutsch-französische Freundschaft ist zu Ende
Felix HoffmannAlfred Grosser – ein Leben für die deutsch-französische Freundschaft ist zu Ende
Alfred Grosser, der renommierte Politikwissenschaftler und unermüdliche Vorkämpfer der deutsch-französischen Freundschaft, ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Mit scharfem Verstand und einem unerschütterlichen Engagement für die Versöhnung prägte er maßgeblich die Nachkriegsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Für sein Wirken wurde er vielfach gewürdigt, darunter 1987 mit dem renommierten Preis "Schärfstes Schwert".
1925 geboren, entwickelte sich Grosser zu einer prägenden Stimme für das gegenseitige Verständnis zwischen den einstigen Kriegsgegnern. Seine Bemühungen waren entscheidend für das Zustandekommen des Élysée-Vertrags von 1963, der die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland besiegelte. Humanität und Dialog lagen seinem Wirken zugrunde – selbst wenn er auf vehemente Ablehnung stieß.
1987 reiste er nach Solingen, um mit Studierenden über "Französische und deutsche Jugend in Gesellschaft und Politik" zu sprechen. Im selben Jahr erhielt er den "Schärfstes Schwert"-Preis für sein lebenslanges Engagement für die gegenseitige Verständigung. Trotz seiner Kritik an der israelischen Politik blieb er kompromisslos in seinem Glauben an die Unverhandelbarkeit der Menschenrechte.
Solingens Bürgermeister Tim Kurzbach würdigte Grosser als Visionär, dessen klare Worte und Appelle zur Freundschaft schmerzlich fehlen würden. Sein Vermächtnis liegt darin, dass er es verstand, einstige Gegner durch Empathie und vernünftige Debatten zu Verbündeten zu machen.
Mit Grossers Tod entsteht eine Lücke in der Welt des politischen Denkens und der Versöhnung. Seine Beiträge zur deutsch-französischen Freundschaft und sein unermüdliches Eintreten für Dialog statt Spaltung prägten ganze Generationen. Die Wirkung seines Schaffens lebt weiter in den Verbindungen, die er zwischen Nationen und Menschen geknüpft hat.






