ZDK reformiert sich radikal – und spaltet die Kfz-Branche tief
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat tiefgreifende Reformen seiner Struktur beschlossen, um zu verhindern, dass Werkstätten nach dem Rückzug der Landesverbände ins Abseits geraten. Die im Januar beschlossenen Änderungen markieren eine bewusste Neuausrichtung hin zu mehr Unabhängigkeit und Transparenz innerhalb der Organisation.
Hintergrund der Umstrukturierung sind wachsende Spannungen mit dem Zentralverband Kraftfahrzeugtechnik (ZVK), der Anspruch auf den Großteil der ZDK-Mitgliedsbeiträge erhebt. Beide Seiten scheinen sich nun auf eine formelle Trennung vorzubereiten, wobei der ZDK Schritte einleitet, um seine Zukunft ohne die traditionellen Innungsbindungen zu sichern.
Die Reformen beenden langjährige Praktiken wie gemeinsame Personalentscheidungen in Gremien und garantierte Mandate für den ZVK. Künftig soll nur noch ein Vorstandsmitglied aus den Reihen des Handwerks kommen – ein Bruch mit dem bisherigen System der automatischen Vertretung. Personalentscheidungen werden nun von der Mitgliederversammlung getroffen, wobei der ZDK betont, dass Vorstandsposten keine erblichen Ansprüche darstellen.
Der Streit um die Abgasuntersuchungsgebühren (AÜK), einst ein zentraler Konfliktpunkt, hat an rechtlicher Brisanz verloren. Stattdessen treiben tiefere Meinungsverschiedenheiten über Vertretungsrechte und finanzielle Kontrolle die Spaltung voran. Der ZVK fordert 95 Prozent der bisherigen ZDK-Mitgliedsbeiträge ein, woraufhin der ZDK seine Gebührenstruktur überarbeitet hat: Jede organisierte Werkstatt zahlt künftig 100 Euro jährlich an die Zentrale in Bonn.
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler präsentieren die Änderungen als Schritt zu mehr Transparenz und einer besseren Anpassung an die "realen Gegebenheiten der Branche". Gleichzeitig wirbt die Organisation direkt um markengebundene Autohäuser in Bayern und Nordrhein-Westfalen, um sie in die neue Struktur zu integrieren. Detlef Peter Grün, Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks, beharrt hingegen darauf, dass allein der ZVK die Interessen der Werkstätten glaubwürdig vertreten könne – ein klares Zeichen für die gespaltene Führung im Sektor.
Trotz der Abkehr von der bisherigen Zusammenarbeit mit dem ZVK sind in der öffentlichen Kommunikation des ZDK bisher keine sichtbaren Änderungen dokumentiert. Die Umstrukturierung scheint strategisch gewählt, um die Position des Verbandes inmitten der eskalierenden Konflikte mit der Handwerksorganisation zu festigen.
Künftig werden die Werkstätten direkt mit der ZDK-Zentrale in Bonn verbunden sein, ohne Umweg über die Landesinnungen. Während der ZVK um finanzielle Kontrolle und Vertretungsrechte ringt, ebnen die Reformen den Weg für eine formelle Trennung der beiden Verbände. Die nächsten Schritte werden zeigen, wie viele Händler und Werkstätten sich der neuen Ausrichtung des ZDK anschließen.