Wiesbadens Così fan tutte wird zum radikalen Beziehungsexperiment ohne Opern-Konventionen
Elias KochWiesbadens Così fan tutte wird zum radikalen Beziehungsexperiment ohne Opern-Konventionen
Das Staatstheater Wiesbaden bricht mit der kommenden Inszenierung von Mozarts Così fan tutte bewusst mit Operntraditionen. Regisseurin Marie-Ève Signeyrole verwandelt die klassische Komödie in ein provokantes Experiment über Liebe, Treue und zwischenmenschliche Dynamik – und das Publikum wird mitten hinein gezogen. Statt des gewohnten Glanzes setzt die Produktion auf rohe Emotionen und ungeschönte Wahrheiten. Die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum wird aufgehoben, sodass jeder Besucher sich in Echtzeit mit den Themen der Oper konfrontiert sieht. Die Bühne selbst verwandelt sich in eine Kunsthochschule, in der das Publikum zur Rolle der Studierenden wird und das Geschehen aktiv mitgestaltet.
Zwanzig junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren werden als Teil der Darstellung direkt auf der Bühne Platz nehmen. Die Aufführung verzichtet bewusst auf Opernkonventionen und fordert stattdessen Mut, Spontanität und eine Portion Humor – Vorkenntnisse sind nicht nötig. Um möglichst viele Neugierige anzusprechen, kostet jede Karte lediglich 10 Euro.
Regisseurin Signeyrole deutet die Komödie als lebendiges Beziehungsexperiment um, bei dem Treue und Verführung nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Saal verhandelt werden. Das Theater hofft, mit dem ungewöhnlichen Konzept ein junges, experimentierfreudiges Publikum zu erreichen. Mit dieser Inszenierung wagt das Staatstheater Wiesbaden einen radikalen Neuanfang für die Oper. Die Kombination aus niedrigschwelligem Zugang, interaktiver Teilhabe und provokanter Thematik könnte nicht nur neue Zuschauer gewinnen, sondern auch eine Debatte über die Zukunft des Musiktheaters anstoßen.






