Wie Misstrauen gegen Institutionen unerwartete Gemeinschaften schafft
Amelie FrankeWie Misstrauen gegen Institutionen unerwartete Gemeinschaften schafft
Misstrauen gegenüber öffentlichen Institutionen verbreitet sich – und bringt die Menschen auf unerwartete Weise zusammen. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, wie Skepsis gegenüber Staat, Gerichten, Wissenschaft und Medien im Netz eng verknüpfte Gruppen entstehen lässt. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, warum diese Netzwerke gedeihen und wie sie die Politik verändern.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, zeigt, wie der schwindende Vertrauen in traditionelle Institutionen neue Bündnisse schafft. Erstmals organisieren sich misstrauische Menschen über digitale Medien und bilden, wie er es nennt, "Gemeinschaften des Misstrauens". Diese Gruppen lehnen nicht nur etablierte Systeme ab – sie vertrauen stattdessen aktiv einander.
Seine Forschung hilft, den Aufstieg von Bewegungen wie der Trump-Anhängerschaft in den USA oder der deutschen rechtspopulistischen AfD zu erklären. Populistische Strategen arbeiten seit Langem daran, das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. El-Mafaalani warnt jedoch, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD den demokratischen Glauben nicht wiederherstellen werden. Oft scharen sich diese Gemeinschaften hinter Parteien, die offen gegen die liberale Demokratie stehen.
Statt den Trend abzutun, schlägt El-Mafaalani kluge Gegenstrategien zum Rechtspopulismus vor. Seine Analyse deutet darauf hin, dass das Verständnis dieser Netzwerke – und ihres tief verwurzelten Misstrauens – entscheidend sein könnte, um ihren Einfluss einzudämmen.
El-Mafaalanis Arbeit zeigt einen Wandel: Misstrauen isoliert die Menschen nicht mehr, sondern verbindet sie. Da digitale Plattformen diese Entwicklung beschleunigen, weisen seine Erkenntnisse auf neue Herausforderungen für die Demokratie hin. Die Frage ist nun, wie sich Institutionen an eine Landschaft anpassen werden, in der das Vertrauen in sie schwindet – während das Vertrauen in gleichgesinnte Skeptiker wächst.






