15 May 2026, 14:41

Warum junge Männer heute zwischen Progressivität und Rechtsextremismus schwanken

A book page titled "Nouvelles Coiffures en 1785" featuring illustrations of women wearing various hats and hairstyles.

Warum junge Männer heute zwischen Progressivität und Rechtsextremismus schwanken

Die Debatte um Männlichkeit und Gleichstellungspolitik gewinnt erneut an Fahrt. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, hat das Thema zu einem seiner politischen Schwerpunkte gemacht – doch seine Ansätze polarisieren. Während einige seine Initiativen als überfällig begrüßen, stoßen sie bei anderen auf Skepsis oder gar Ablehnung.

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Besonders unter jungen Männern zeigt sich eine wachsende Distanz zu progressiven Geschlechterkonzepten. Gleichzeitig rücken rechtsextreme Botschaften in dieser Gruppe zunehmend in den Fokus, was die gesellschaftliche Spaltung weiter vertieft. Vor zwanzig Jahren sorgte Fußballtorwart Tim Wiese noch für Schlagzeilen, als er in Pink auflief – ohne dass seine Männlichkeit infrage gestellt wurde. Heute scheint eine solche Selbstverständlichkeit für viele Männer nicht mehr gegeben. Stattdessen gewinnen konservative bis rechtsextreme Positionen an Einfluss, wie die aktuelle Wahltrendanalyse zeigt: Junge Männer stimmen mehrheitlich für die AfD, während junge Frauen sich eher linksliberalen Parteien zuwenden.

Felix Banaszak versucht, dieser Entwicklung mit gezielter 'Männerpolitik' entgegenzuwirken. Er fordert Männer auf, ihre Privilegien zu hinterfragen und schädliches Verhalten aktiv zu bekämpfen. Doch nicht alle sind von seinem Ansatz überzeugt. Beim Bundesfrauenrat etwa gibt es Skepsis, ob Banaszaks Strategie systemische Ungleichheiten tatsächlich angeht oder nur an der Oberfläche bleibt. Auch Sven Lehmann, queerpolitischer Sprecher der Grünen, betont zwar Fortschritte im Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit, stellt aber fest, dass viele Männer sich weiterhin gegen gesellschaftliche Veränderungen sträuben.

Die Polarisierung zeigt sich auch in provokanten Äußerungen wie der des AfD-Politikers Maximilian Krah. Er riet jüngst jungen Männern mit Dating-Problemen, sich 'auf die richtige Seite' zu schlagen – eine Aussage, die als gezielte Ansprache entfremdeter Männer interpretiert wird. Bereits 2010 hatten 21 grüne Politiker, darunter Lehmann, mit dem Manifest ‚Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.‘ eine ähnliche Debatte angestoßen. Doch während solche Forderungen damals noch als progressiv galten, stoßen sie heute auf deutlich mehr Widerstand. Die Diskussion um Männlichkeit und Gleichstellung bleibt umstritten. Während Banaszak und andere Politiker versuchen, junge Männer für progressive Geschlechterrollen zu sensibilisieren, zeigt sich, dass rechtsextreme Narrative in dieser Gruppe weiterhin Resonanz finden. Die Frage, wie Männer für Gleichstellung gewonnen werden können, bleibt damit eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart – sowohl politisch als auch gesellschaftlich.

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