Telematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Therapeuten auf Oktober 2027
Amelie FrankeTelematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Therapeuten auf Oktober 2027
Deutschland hat die Frist für die Anbindung von Therapeuten und Anbietern medizinischer Hilfsmittel an die Telematikinfrastruktur (TI) verschoben. Statt des ursprünglich geplanten Termins Anfang 2026 gilt nun der 1. Oktober 2027 als Stichtag. Von der Verlängerung sind etwa 90.000 Leistungserbringer bundesweit betroffen.
Grund für die Verzögerung ist die verschobene Einführung der elektronischen Verordnung für therapeutische und medizinische Hilfsmittel, die parallel zur TI-Anbindungspflicht hätte starten sollen. In diesem Zusammenhang rät das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) zu einer freiwilligen vorzeitigen Anbindung an die TI, um den Übergang zu erleichtern.
Die Reaktionen auf die Fristverlängerung fallen unterschiedlich aus. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten begrüßt die Entscheidung und verweist auf die Notwendigkeit, mehr Zeit für die Optimierung der Infrastruktur zu haben. Dagegen kritisiert Cherry-CEO Oliver Kaltner den Schritt scharf: Die Verzögerung bremse die Digitalisierung im Gesundheitswesen und beeinträchtige die Dienstleistungsqualität.
Für Cherry, einen IT-Dienstleister, bedeutet die Verschiebung Millionenverluste. Um die finanziellen Auswirkungen abzufedern, setzt das Unternehmen nun auf andere Projekte – darunter die Beschleunigung des Ersatzgeschäfts und die verstärkte Vermarktung seiner Softwarelösungen.
Die verlängerte Frist gibt den Leistungserbringern mehr Zeit, sich auf die TI-Anbindung vorzubereiten, und ermöglicht die Weiterentwicklung der unterstützenden Systeme. Gleichzeitig hat die Verzögerung jedoch finanzielle und operative Folgen für die an der Umsetzung beteiligten Unternehmen.
