14 March 2026, 14:22

Sienna Rose: Die KI-Soulsängerin, die es vielleicht gar nicht gibt

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf Nachrichten über ein Regierungsgesetz zur Abschaffung des Internets.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Sienna Rose: Die KI-Soulsängerin, die es vielleicht gar nicht gibt

Eine Soulsängerin namens Sienna Rose hat auf Spotify fast zwei Millionen monatliche Hörer gesammelt – doch ihre wahre Identität wirft Fragen auf. Untersuchungen deuten nun darauf hin, dass es sie möglicherweise gar nicht gibt. Stattdessen sprechen die Beweise dafür, dass sie eine von einem russischen Technologieunternehmen künstlich erschaffene Figur ist.

Sienna Rose tauchte erstmals 2024 auf und präsentierte sich als "Geschichtenerzählerin des Herzens" mit tief persönlicher Musik. Ihr Spotify-Profil zeigt eine junge Frau mit Afro-Look und ausdrucksstarken braunen Augen. Doch Fans fielen seltsame Details auf: keine Live-Auftritte, eine Flut neuer Songs und so gut wie keine echte Präsenz in den sozialen Medien.

Der Bayerische Rundfunk verfolgte ihre Spuren bis zu einer russischen IP-Adresse und brachte sie mit dem Label Nostalgic Records sowie dem Unternehmer Maksim Muravjov in Verbindung. Dessen Firma Deepfake Universe spezialisiert sich auf KI-generierte Influencer und erotische Inhalte und nutzt Tools wie Stable Diffusion, um lebensechte Persönlichkeiten zu erschaffen. Muravjov soll die technische Entwicklung Siennas steuern – inklusive ihrer "Persönlichkeit" und Monetarisierung. Bis Anfang 2025 erzielte er damit angeblich über 100.000 Dollar monatlich.

Die Enthüllungen führten dazu, dass die ursprüngliche Version von Sienna Rose mit roten Haaren aus den sozialen Medien verschwand, während das Profil mit Afro aktiv blieb. Unterdessen warf der YouTuber Rick Beato Spotify vor, KI-generierte Musik aus Profitinteresse zu pushen, und behauptete, 97 Prozent der Hörer könnten diese nicht von menschgemachter Musik unterscheiden. Selbst Selena Gomez teilte unwissentlich einen von Siennas Songs – was im Netz Spott über den wachsenden Einfluss von KI auslöste.

Muravjovs Verbindungen zum KI-Experten Hafsteinn Runarsson – bekannt für die Erschaffung von Pop-Avataren und Kurse zur Monetarisierung von KI – schürten weitere Zweifel. Schätzungen zufolge bringt Sienna ihren Machern über 2.000 Euro pro Woche ein. Der Fall zeigt, wie verschwommen die Grenze zwischen künstlicher und menschlicher Kreativität geworden ist.

Siennas Geschichte offenbart, wie KI-Künstler unentdeckt Millionen von Followern gewinnen können. Die Ermittlungen legen ein Netzwerk von Tech-Entwicklern bloß, die mit virtuellen Persönlichkeiten Profit machen – während Plattformen wie Spotify unter Druck geraten, ihre Rolle zu hinterfragen. Angesichts des Aufschwungs von KI-Musik bleiben Fragen zur Transparenz und zur Zukunft künstlerischer Authentizität unbeantwortet.

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