07 June 2026, 10:16

Scharfe Kritik an Milo Rau entpuppt sich als substanzlose Attacke im Kurier

Sehr geehrter Bogdan Roščić,

Scharfe Kritik an Milo Rau entpuppt sich als substanzlose Attacke im Kurier

Ein kürzlich erschienener Gastbeitrag im Kurier hat eine Debatte ausgelöst, nachdem er den Theaterregisseur Milo Rau mit scharfer Kritik überzogen hatte. Der Text, gespickt mit abstrakten Behauptungen, wirft Rau vor, seine Arbeit bestehe aus leerer Provokation und selbstgefälliger Distanziertheit. Doch die Attacke selbst steht nun in der Kritik – wegen mangelnder Klarheit und inhaltlicher Auseindersetzung.

Der Beitrag beginnt damit, Raus Opernhaus als Ort der „selbstberuhigenden Bewahrung“ zu charakterisieren – ein Raum, der sich mehr mit Behaglichkeit als mit Herausforderung beschäftige. Anschließend werden Raus künstlerische Beiträge als „Resonanz ohne Gehalt“ abgetan: Seine Arbeiten lösten zwar Reaktionen aus, entbehrten aber der Tiefe. Die Kritik spitzt sich weiter zu und wirft Rau „diskursive Selbstimmunisierung“ vor – eine Methode, die ihn angeblich vor echter Debatte abschirme.

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Schnell wechselt der Ton von der Analyse zur persönlichen Schelte. Der Autor behauptet, Raus Herangehensweise gleiche eher einem „Monolog von oben“ als einem Dialog mit anderen Künstlern. In weiteren Passagen – etwa dem Vorwurf, Rau „schreibe nicht über die Flamme, sondern wärme sich nur die Hände daran“ – wird er als eine Figur dargestellt, die sich mit oberflächlichem Engagement zufriedengibt. Den Höhepunkt bildet der Vorwurf einer „metaphysischen Existenzweise“, der zufolge seine Arbeiten Bedeutung nur vortäuschten, ohne sie zu liefern.

Trotz seiner pointierten Formulierungen liefert der Beitrag kaum konkrete Belege für seine Thesen. Stattdessen bedient er sich vager Metaphern und pauschaler Verallgemeinerungen, sodass sich die Frage aufdrängt, ob die Kritik Rau oder vielmehr die eigenen Frustrationen des Autors trifft.

Der Kurier-Beitrag hat es versäumt, seine Einwände über rhetorische Stilblüten hinaus zu präzisieren. Die Fixierung auf Raus vermeintliche Schwächen offenbart letztlich mehr über den Stil des Verfassers als über den Kritikgegenstand. Vorerst bleibt der Schlagabtausch eine einseitige Attacke – reich an Behauptungen, arm an Substanz.

Quelle