22 April 2026, 01:02

Pharma-Konferenz 2026: Streit um Europas Arzneimittelversorgung eskaliert

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma in 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie andere Länder, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Pharma-Konferenz 2026: Streit um Europas Arzneimittelversorgung eskaliert

Streit um Europas Arzneimittelversorgung dominiert Handelsblatt-Pharma-Konferenz 2026

Auf der Handelsblatt Pharma 2026-Konferenz standen die Konflikte um die Arzneimittel-Lieferketten Europas im Mittelpunkt. Vertreter der Pharmaindustrie und der Krankenkassen gingen hart ins Gericht, wie kritische Medikamente gesichert werden sollen. Die Sorgen reichen von der zu starken Abhängigkeit von China bis hin zur Wirksamkeit von Bevorratungsstrategien.

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Thomas Weigold, Chef von Sandoz/Hexal in Deutschland, warnte, dass die starke Abhängigkeit des Landes von China bei Antibiotika und Generika ein ernstes Risiko darstelle. Er forderte, lebenswichtige Medikamente als Teil der deutschen Sicherheitsarchitektur zu betrachten, um zu verhindern, dass geopolitische Spannungen die Versorgung gefährden. Das geplante Freihandelsabkommen mit Indien bezeichnete Weigold als "absurd" – es schwäche Europas Fähigkeit, eigene Generika herzustellen.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), betonte, dass die Verwundbarkeiten Europas weit größer seien, als viele annähmen. Investitionen in Forschung und Produktion seien keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Gleichzeitig machte die Bevorratung von Generika für Hersteller wirtschaftlich wenig Sinn, so Joachimsen. Er stellte die Gesundheitspolitik als Frage der nationalen Sicherheit dar.

Tim Steimle, Pharmachef der Techniker Krankenkasse (TK), berichtete, Deutschland habe sein Ziel erreicht, für 47 Prozent der Arzneimittel einen sechsmonatigen Vorrat anzulegen. Rabattverträge hätten sich zu umfassenderen Versorgungsvereinbarungen gewandelt, wenn auch noch nicht für Kinderarzneimittel. Steimle befürwortete das Freihandelsabkommen mit Indien als Schritt zur Diversifizierung der Lieferketten.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, kritisierte die sechsmonatige Reserve als unzureichend. Er forderte klarere Planungen auf Basis realer Krisenszenarien. Inanc widersprach zudem der Annahme, dass Logistik allein für Resilienz sorge – Europa müsse mehr Medikamente vor Ort produzieren, um die Abhängigkeit von gefährdeten Seewegen zu verringern.

Die Debatte offenbarten tiefe Gräben darüber, wie Europas Arzneimittelversorgung gesichert werden soll. Während die einen auf mehr Eigenständigkeit und lokale Produktion setzen, plädieren andere für Handelsabkommen und Bevorratung. Eines wurde deutlich: Bisher gibt es keinen Konsens unter den Branchenführern über den besten Weg.

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