ORF bricht mit We Are Eurovision bewusst alle Eurovision-Regeln
Die ORF-Sendung We Are Eurovision brach bewusst mit den gewohnten Traditionen des Wettbewerbs. Statt glanzvoller Rückblicke und sentimentalem Pathos setzte die Produktion auf einen ungewöhnlichen, mitunter provokanten Ansatz – mit überraschenden Folgen für Zuschauer und Kritiker alike.
Die Sendung, die vergangene Eurovision-Wettbewerbe aufarbeiten sollte, sorgte vor allem durch ihren unkonventionellen Stil für Aufsehen. Doch die Reaktionen fielen gespalten aus: Während einige den Mut zur Experimentierfreude lobten, hinterließ der Abend bei anderen eher Ratlosigkeit. Von Beginn an machte die Sendung klar, dass sie sich nicht an gängige Eurovision-Konventionen halten würde. Moderatorin Barbara Schöneberger gab mit einem chaotischen Auftritt den Ton vor: Sie zog sich einen schlecht sitzenden Filzbart über, verkleidete sich als improvisierte Wurst und performte Rise Like a Phoenix in voller Kostümierung. Solche befremdlichen Momente prägten den Abend und sorgten für eine Atmosphäre zwischen Absurdität und schonungsloser Ehrlichkeit.
Auch sprachlich setzte die Produktion auf bewusste Brüche. Lizzi Engstlers wiederholter Gebrauch des Slang-Ausdrucks urcool verpasste der Sendung einen skurrilen, fast schon selbstironischen Charme. Statt nostalgischer Verklärung wurde die Eurovision-Geschichte hier roher und mitunter holprig aufbereitet – etwa als Schöneberger Österreichs ersten Sieg 1966 scherzhaft für sich reklamierte. Der Verzicht auf sentimentale Rückblicke und der Fokus auf ungeschliffene, teils absurde Elemente machten den Abend zu einem markanten Kontrastprogramm.
Doch der ungewöhnliche Ansatz kam nicht bei allen gut an. Die Sendung erhielt im Schnitt nur 216.000 Zuschauer und kassierte sogar null Punkte – ein Ergebnis, das den Bruch mit den Erwartungen an eine typische Eurovision-Feier unterstrich. Während einige den Mut zur Provokation schätzten, hinterließ der unkonventionelle Stil bei anderen ein zwiespältiges Bild. Mit We Are Eurovision wagte der ORF ein Experiment, das bewusst auf Glanz und Nostalgie verzichtete. Stattdessen dominierten skurrile Momente, schonungslose Ehrlichkeit und ein mitunter holpriger Umgang mit der Eurovision-Geschichte den Abend.
Die Folgen waren deutlich: Geringe Zuschauerzahlen und eine polarisierte Resonanz zeigten, dass der ungewöhnliche Ansatz nicht jeden überzeugte. Dennoch bleibt die Sendung ein bemerkenswerter Versuch, den Wettbewerb aus einer gänzlich neuen Perspektive zu betrachten.






