Künstler entlarvt blinden Gehorsam: NS-Propaganda in russischen Schulen unbeanstandet
Julian KleinKünstler entlarvt blinden Gehorsam: NS-Propaganda in russischen Schulen unbeanstandet
Ein belarussischer Künstler hat in Südrussland einen aufwendigen Streich inszeniert, indem er nazistische Propaganda an Schulen verschickte. Uladzislau Bohan, bekannt durch sein Projekt "Triumph des Mottenfalters", gab sich als Funktionär der "Einiges Russland"-Partei aus, um zu testen, wie Pädagogen darauf reagieren würden. Die Aktion offenbarten, wie bereitwillig Institutionen Befehle ohne kritische Hinterfragung befolgen.
Bohan kontaktierte 22 Schulen in der Region Krasnodar und sandte ihnen eine Präsentation unter dem Deckmantel einer offiziellen Parteianweisung. Die Materialien warben für einen "Kult der Stärke" und verspotteten Schwäche – eine klare Anlehnung an nationalsozialistische Ideologie. Die optische Aufmachung imitierte Propagandaplakat der NS-Zeit, doch keine der Schulen meldete Bedenken an.
Lehrkräfte veranstalteten Videokonferenzen und pädagogische Gremiensitzungen, um die Inhalte zu besprechen. Trotz der extremen Botschaft behandelten sie das Material als legitim. Bohan enthüllte später, dass das System durch blinden Gehorsam gegenüber Anweisungen jeden Widerstand ersticke.
Der Künstler erhielt von allen 22 Schulen offizielle Berichte – ein Rekord für sein Projekt. Jede Einrichtung dokumentierte akribisch ihre Auseinandersetzung mit der Präsentation, ohne die Täuschung zu durchschauen.
Der Streich legte schonungslos offen, wie bürokratische Pflichtbeflissenheit kritisches Denken ausschalten kann. Die Schulen verarbeiteten die Propaganda wie ganz normale Unterrichtsmaterialien und zeigten damit eklatante Schwächen in der Aufsicht. Bohans Experiment bewies, wie weit unkontrollierte Autorität Institutionen treiben kann, bevor überhaupt Fragen gestellt werden.






