Joey Skaggs entlarvt mit seinem Aprilscherz-Umzug die Leichtgläubigkeit der Medien – seit 30 Jahren
Julian KleinJoey Skaggs entlarvt mit seinem Aprilscherz-Umzug die Leichtgläubigkeit der Medien – seit 30 Jahren
Seit mehr als drei Jahrzehnten narrt der Künstler und Scherzkeks Joey Skaggs mit seinem jährlichen Aprilscherz-Umzug in New York die Medien. Die Veranstaltung, die jedes Jahr mit aufwendigen Pressemitteilungen angekündigt wird, lockt regelmäßig Journalisten, Blasorchester und neugierige Zuschauer an – nur um dann festzustellen, dass es den Umzug nie gegeben hat. Der diesjährige fingierte Aufmarsch versprach einen Doppelgänger des Präsidenten, eine "Melania-Mockumentary" und Lesungen aus den Jeffrey-Epstein-Akten.
Skaggs begann seine Tradition 1986, als er Reporter zu einem nicht existierenden Umzug entlang der Fifth Avenue einlud. Sein Ziel war es, "die Menschen wieder mit ihrer angeborenen Torheit in Kontakt zu bringen" und das Recht der Öffentlichkeit zu feiern, Autoritäten zu verspotten. Jedes Jahr verbringt er Monate damit, überzeugendes Pressematerial zu gestalten, wobei er oft echte Zeitungsausschnitte verwendet, um Glaubwürdigkeit zu verleihen. Frühere Streiche umfassten einen Donald-Trump-Imitatorenwettbewerb und eine Y2K-Apokalypse-Party – beides Ereignisse, die Medien zunächst ernsthaft berichteten.
Skaggs ist nicht der Einzige, der die Leichtgläubigkeit der Medien aufdeckt. 1985 veröffentlichte Sports Illustrated eine Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, ein Pitching-Wunderkind der Mets, das angeblich einen 270 km/h schnellen Ball werfen konnte. Der Artikel, verfasst von George Plimpton, entpuppte sich später als Aprilscherz. Ähnlich veranstaltete David Bowie 1998 eine Party für einen erfundenen Verlag – inklusive eines fiktiven britischen Schriftstellers namens William Boyd – ein weiterer Streich, der die Gäste kurzzeitig täuschte.
Im Laufe der Jahre spiegelten Skaggs' Aktionen die anderer Provokateure wider. Der WTO-Schwindel der Yes Men 2003 in Barcelona löste Empörung und Klagen aus, während Skaggs' eigene "Catharsis Lounge" (1971) und die "Prominenten-Samenbank" (1982) zunächst Medien wie die New York Times und die BBC hereinlegten. Jedes Mal folgte ein bekanntes Muster: anfängliche unkritische Berichterstattung, dann Widerrufe, Enthüllungen und Debatten über journalistische Glaubwürdigkeit.
Trotz des fehlenden echten Umzugs besteht Skaggs darauf, dass seine Streiche einen Zweck erfüllen. Er betrachtet sie als Kunst, die dazu dient, das, was Menschen glauben – und warum sie es glauben –, infrage zu stellen. Die Tradition zeigt immer wieder, wie leicht Institutionen – von Redaktionen bis zu Universitäten – durch eine gut konstruierte Geschichte getäuscht werden können.
Der diesjährige fingierte Umzug endete wie seine Vorgänger: ohne Wagen, ohne Kapellen, ohne Zuschauer – nur eine weitere Erinnerung daran, wie leicht Fiktion als Fakt getarnt werden kann. Skaggs' Streiche und ähnliche Aktionen testen weiterhin die Grenzen zwischen Satire und Wahrheit und zwingen die Medien, sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen.






