Ingeborg-Bachmann-Preis 2024: Mutige Texte über Diskriminierung und Krankheit ausgezeichnet
Julian KleinIngeborg-Bachmann-Preis 2024: Mutige Texte über Diskriminierung und Krankheit ausgezeichnet
Die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preises stehen fest. Die von einer rein weiblich besetzten, siebenköpfigen Jury bewertete Veranstaltung präsentierte kraftvolle Texte, die sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Kämpfen auseinandersetzten. Die Autorinnen und Autoren behandelten Themen von Krankheit bis Diskriminierung mit beeindruckender Originalität.
Schaette erhielt sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für Was wir tragen, einen Text über die lebenslange Gewalt, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ und dessen tägliche Demütigungen ausgezeichnet. Magdalena Schrefel gewann den 3sat-Preis für Kirschen, Herz in der Schlinge, einen schonungslos offenen Bericht über ihre Brustkrebsdiagnose und den Akt, darüber zu sprechen.
Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, eine Geschichte über die Schwierigkeiten eines schwulen Vaters. Slata Roschals eingereichter Text kritisierte das Literaturestablishment, konzentrierte sich dabei jedoch eher auf die Literaturszene selbst als auf die prekären Lebensumstände von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Nach ihrer Lesung weigerte sie sich aus Protest, der Jury gegenüberzutreten.
Die Jury lobte in den meisten Einreichungen erfinderische Ideen und prägnante Formulierungen; nur wenige Texte wurden rundweg abgelehnt. Wiederkehrende Motive wie „Flecken“ symbolisierten blinde Flecken und drohende Krisen und spiegelten prekäre Lebensbedingungen wider. Die Veranstaltung erinnerte zudem an Burkhard Spinnens früheren Appell, dass Kunst sich gesellschaftlichem Druck und wirtschaftlichen Zwängen widersetzen solle. Ingeborg Bachmanns eigenes Hörspiel Der gute Gott von Manhattan wurde zitiert, in dem Gott als Angeklagter auftritt.
Die Auszeichnungen hoben mutiges Storytelling und gesellschaftskritische Kommentare hervor. Jeder prämierte Text lenkte den Blick auf marginalisierte Erfahrungen – von Krankheit bis zu struktureller Diskriminierung. Die ausschließlich weibliche Jury markierte einen bedeutenden Moment in der Geschichte des Preises.
