23 June 2026, 18:36

Hausunterricht in Brasilien: Eltern wegen "geistiger Vernachlässigung" verurteilt

Brasilianisches Paar bekommt 50 Tage Haft wegen Homeschooling ohne Geschlechterideologie

Hausunterricht in Brasilien: Eltern wegen "geistiger Vernachlässigung" verurteilt

Ein brasilianisches Ehepaar, Audato und Ieda Denardi, wurde zu 50 Tagen Haft auf Bewährung verurteilt, weil es seine beiden Töchter zu Hause unterrichtet hat. Das Urteil stellt die erste strafrechtliche Verurteilung wegen Hausunterrichts in Brasilien dar. Das Paar hatte 2020 damit begonnen, seine damals 15- und 11-jährigen Kinder zu Hause zu unterrichten, nachdem es mit dem Fernunterricht während der Pandemie unzufrieden gewesen war.

Die Denardis entschieden sich für den Hausunterricht, um die Bildung ihrer Töchter mit ihrem Glauben und ihren persönlichen Werten in Einklang zu bringen. Sie behaupteten, dieser Ansatz habe die schulischen Leistungen verbessert und einen maßgeschneiderten Lehrplan ermöglicht. Die Mädchen sind begabte Pianistinnen und sprechen mehrere Sprachen.

Das Gericht urteilte jedoch, dass ihre Bildung unzureichend sei. Der Richter verwies auf mangelnde Auseinandersetzung mit bestimmten kulturellen Elementen, darunter das Nicht-Hören von Trap- oder Sertanejo-Musik. Die Verurteilung erfolgte konkret wegen „geistiger Vernachlässigung“, da Themen wie Geschlechterrolle, Sexualerziehung, Toleranz und Vielfalt im Unterricht gefehlt hätten.

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Obwohl die Staatsanwaltschaft einen Freispruch empfohlen hatte, bestätigte das Gericht das Urteil. Die Strafe wurde vorerst zur Bewährung ausgesetzt, doch der Fall sorgt als rechtlicher Präzedenzfall in Brasilien für Aufsehen. Ieda Denardi kritisierte das Urteil als unzulässigen Eingriff des Staates in die elterlichen Rechte. Die Strafe bleibt vorerst nicht vollstreckbar, doch die Verurteilung setzt einen neuen Maßstab für Fälle von Hausunterricht im Land. Über die Berufung des Paares wird entschieden, ob das Urteil Bestand hat.

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