10 June 2026, 02:14

Fünf Dörfer kämpfen gegen RWE – ihr Zuhause soll der Braunkohle weichen

Städte opfern: Berichte von der Frontlinie der Energiewende in Deutschland

Fünf Dörfer kämpfen gegen RWE – ihr Zuhause soll der Braunkohle weichen

Deutschlands Braunkohle-Tagebau hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bereits Dutzende historischer Dörfer ausgelöscht. Jetzt müssen fast 2.000 Einwohner in fünf weiteren Gemeinden damit rechnen, in den nächsten zehn Jahren ihre Häuser zu verlieren – denn RWE will seine Abbaugebiete ausweiten. Anwohner beschreiben die emotionale Belastung als verheerend; manche weigern sich zu gehen, selbst wenn die Abrissbirne droht.

Die Dörfer Keyenberg, Kuckum, Berverath, Oberwestrich und Unterwestrich liegen direkt im Weg der geplanten Erweiterung. RWE plant, diese jahrhundertealten Siedlungen dem Erdboden gleichzumachen – darunter auch die Kirche von Keyenberg aus dem 12. Jahrhundert, deren Verlust Britta Kox aus dem benachbarten Berverath „die Seele zerreißen“ würde. Marita Dresem aus Kuckum geht noch weiter: Manche würden „lieber sterben, als ihre Heimat aufzugeben“. Die Schmerz der Vertreibung hat die Bewohner zusammengeschweißt. Helmut Kehrmann aus Keyenberg dankte Aktivisten für ihre Solidarität und den wachsenden Widerstand gegen die Zwangsumsiedlungen.

Die Bewegung „Alle Dörfer bleiben“ hat sich als entschlossener Gegner der Abrisse formiert. Ende März 2023 versammelten sich Tausende in Keyenberg zu ihrer ersten großen Demonstration. Die Organisatoren planen nun weitere Proteste in den ost- und westdeutschen Braunkohlerevieren. Rückenwind erhielt die Bewegung durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die zeigt, dass die bereits genehmigten Kohlereserven ausreichen würden, um die bedrohten Dörfer zu retten.

Für die Anwohner ist der Kampf zutiefst persönlich. Viele leben seit Generationen in diesen Dörfern – der Verlust geht weit über Steine und Mörtel hinaus. Die Bewegung argumentiert, dass Deutschlands Energiewende – der Umstieg auf erneuerbare Energien – nicht auf Kosten ihrer Häuser und ihrer Geschichte gehen dürfe.

Das Schicksal dieser Dörfer hängt nun von Protesten, Klagen und der Frage ab, ob politischer Druck RWE zum Umdenken zwingen kann. Da Forscher die vorhandenen Kohlereserven bereits für ausreichend halten, bestehen Aktivisten darauf, dass kein Grund besteht, diese Gemeinden zu opfern. Für fast 2.000 Menschen wird sich in den kommenden Jahren entscheiden, ob ihre Häuser – und Jahrhunderte Geschichte – überleben.

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