25 May 2026, 02:15

Florentina Holzinger inszeniert ein radikales Pfingstspiel zwischen Ritual und Technologie

Florentina Holzingers 'Pfingstspiel' mit Friedenstauben und Monstertrucks

Florentina Holzinger inszeniert ein radikales Pfingstspiel zwischen Ritual und Technologie

Ein mutiges und visuell atemberaubendes Pfingstspiel entfaltete sich in Wien unter der Regie von Florentina Holzinger. Die Aufführung verband extreme Körperlichkeit, Technologie und symbolträchtige Gesten zu einem kraftvollen Spektakel. Das Publikum wurde auf eine Reise vom Wiener Eislaufverein nach Schloss Prinzendorf mitgenommen – jenem historischen Ort, der eng mit Hermann Nitschs avantgardistischem Theater verbunden ist.

Der Abend begann mit einem dramatischen Auftritt: Der Heilige Geist erschien als Fallschirmspringer mit einem taubenförmigen Helm. Die Figur landete auf einem zerstörten Panzer und pflanzte eine weiße Fahne als Friedenssymbol in das Wrack. Holzinger ehrte anschließend Nitschs Erbe mit einer „Malaktion“, bei der eine gekreuzigte Performerin in der Schwebe gehalten wurde, während Drohnen rote Farbe über die Szene sprühten.

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Später ließ sich eine nackte Frau von der Fassade des Hotels Intercontinental abseilen – eine Hommage an die experimentelle Choreografie von Trisha Brown. Die Inszenierung umfasste auch eine Neuinterpretation des Letzten Abendmahls: Holzinger und ihr rein weibliches Ensemble aus dreizehn Künstlerinnen schwebten im Innenhof des Schlosses in der Luft.

Extreme körperliche Grenzen prägten weite Teile der Produktion: Performerinnen ertrugen Haken unter der Haut, während ein Monstertruck ein hölzernes Panzer-Modell zerquetschte – eine deutliche Antikriegsbotschaft. Der Höhepunkt zeigte Holzinger und ihre „Jüngerinnen“, die sanft in der Luft schwebten und nach all der Intensität einen Moment zarter Schönheit boten.

Das Publikum wurde nach Schloss Prinzendorf gebracht, dem geistigen Zentrum von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater, wo die Vorstellung fortgesetzt wurde. Autos, ein Motorrad und ein Fallschirmsprung gehörten zu den vielfältigen Elementen, die Holzinger einband – eine Mischung aus roher Energie und theatralischer Innovation.

Die Produktion hinterließ durch die Verschmelzung von Ritual, Technologie und physischer Ausdauer einen bleibenden Eindruck. Holzinger forderte ihr Publikum heraus und ehrte zugleich die radikalen Traditionen von Nitschs Theater. Die eindringlichen Bilder und symbolischen Akte dieser Aufführung werden noch lange nach dem letzten Vorhang nachwirken.

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