Dekoloniale Lehrpläne: Britisches Forschungsprojekt löst hitzige Bildungsdebatte aus
Felix HoffmannDekoloniale Lehrpläne: Britisches Forschungsprojekt löst hitzige Bildungsdebatte aus
Ein neues zweijähriges Forschungsprojekt in Großbritannien untersucht, wie der Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften und Geografie an weiterführenden Schulen aus einer dekolonialen Perspektive gestaltet werden kann. Das Vorhaben, das mit 247.268 Pfund öffentlich gefördert wird, hat bereits eine kontroverse Debatte über seine Ziele und die Verwendung von Steuergeldern ausgelöst. Das Projekt zielt darauf ab, Lehrkräften einen strukturierten Ansatz zur Dekolonialisierung ihrer Lehrpläne zu bieten. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit Themen wie wissenschaftlichem und ökologischem Rassismus im Unterricht. Die Forscher planen, Lehrerinnen und Lehrer aus den MINT-Fächern sowie dem Fach Geografie zu befragen, die bereits Erfahrung mit dekolonialer und antirassistischer Arbeit haben.
Ein Sprecher von UK Research and Innovation (UKRI), der Förderorganisation, betonte, dass Entscheidungen über die Finanzierung ausschließlich auf der Grundlage des wissenschaftlichen Werts einer Studie getroffen würden. Doch die Initiative stößt auf scharfe Kritik. Gegner wie der Bildungsexperte Chris McGovern argumentieren, dass eine Filterung von Schulfächern durch eine dekoloniale Perspektive das Lernen verfälschen und akademische Standards untergraben könnte. Ähnliche Bedenken äußerte Professor Peter Edwards: Er fürchtet, dass solche Projekte Vorrang vor dringenderen Herausforderungen erhalten – etwa der Bekämpfung der Bildungsbenachteiligung weißer Jungen aus der Arbeiterklasse.
Kritiker bezeichnen das Vorhaben abwertend als realitätsfernes woke-Gedankengut und eine Verschwendung knapper öffentlicher Mittel. Trotz der Kontroverse wird das Projekt wie geplant fortgeführt, um langfristig ein Rahmenkonzept für Lehrkräfte zu entwickeln. Während die Befürworter des Projekts auf eine notwendige Auseinandersetzung mit historischen Ungerechtigkeiten im Bildungssystem pochen, bleibt die Diskussion über Sinn und Nutzen der Dekolonialisierung von Lehrplänen polarisiert. Die Ergebnisse der Studie könnten künftig Einfluss darauf haben, wie rassismuskritische Ansätze in britischen Schulen verankert werden – oder ob sich die Skepsis gegenüber solchen Initiativen weiter verstärkt.
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