"Debritz" am Badischen Staatstheater: Gesellschaftskritik zwischen Satire und Slapstick
Julian Klein"Debritz" am Badischen Staatstheater: Gesellschaftskritik zwischen Satire und Slapstick
„Debritz“: Ein neues Drama über gesellschaftlichen Niedergang feiert Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat das neue Stück Debritz von Kaleb Erdmann Premiere gefeiert. Das Drama beleuchtet gesellschaftliche Probleme am Beispiel eines fiktiven Dorfes im Abwärtsstrudel. Während Bühnenbild und inszenatorische Energie Aufmerksamkeit erregen, stößt das Drehbuch teilweise auf Kritik.
Die Handlung spielt in Debritz, einem Ort, der strukturschwache Regionen Deutschlands symbolisiert. Sein Verfall spiegelt sich in der eintönigen braunen Bühnenlandschaft wider, die von kristallinen Wucherungen durchbrochen wird. Der 1991 in Witten geborene Autor Kaleb Erdmann nutzt diese Kulisse, um Themen wie die Kluft zwischen Stadt und Land oder den Klimawandel zu verhandeln.
Im Ensemble stechen Peggy (Rebecca Seidel) und Maik (Jannik Süsselbeck) als einzige voll ausgearbeitete Figuren hervor. Barbarossa (Antonia Mohr) gibt eine komische Figur ab, die von den Dorfbewohnern wie ein Retter verehrt wird. Die in pinkem Kostüm auftretende Candy the Candle intoniert eine sarkastische Hymne über die Not des Ortes.
Während Inszenierung und Tempo des Stücks gelobt werden, monieren Kritiker mangelnde emotionale Tiefe und intellektuelle Schärfe im Text. Der Schluss zeigt Peggy und Maik, wie sie das Dorf in die Luft jagen – eine Handlung, die als groteske Farce inszeniert wird. Kurz zuvor wird noch eine Warnung vor den Folgen menschlichen Handelns ausgesprochen.
Mit einer Mischung aus Satire, Slapstick und drastischen Bildern liefert die Produktion eine provokante Auseinandersetzung mit modernen Gesellschaftsfragen. Die Uraufführung in Karlsruhe unterstreicht Erdmanns anhaltende Beschäftigung mit ländlichen und ökologischen Themen.
