CNews-Skandal: Top-Moderator wegen Belästigung verurteilt – Sender in der Krise
Julian KleinCNews-Skandal: Top-Moderator wegen Belästigung verurteilt – Sender in der Krise
Der französische Nachrichtensender CNews steht erneut in der Kritik, nachdem einer seiner bekanntesten Moderatoren wegen Belästigung verurteilt wurde. Der rechtspopulistische Sender, der täglich neun Millionen Zuschauer erreicht, hat sich mit kostengünstigen Talkshows einen Namen gemacht, in denen polarisierende Themen wie Abtreibung, Kriminalität und Migration diskutiert werden. Nun gerät die Führung des Senders nach dem Abgang zweier prominenter Gesichter unter Druck.
Im Mittelpunkt des Skandals steht Jean-Marc Morandini, ein langjähriger Moderator von CNews. Ein Gericht sprach ihn schuldig, unerwünschte sexuelle Nachrichten verschickt und jungen Frauen sowie einem Mann TV-Rollen im Austausch für explizite Fotos angeboten zu haben. Nach dem Urteil musste er seinen Rücktritt live im Programm bekanntgeben.
Die Folgen des Falls ziehen weite Kreise: Eine weitere führende Moderatorin, Sonia Mabrouk, trat aus Protest gegen den Umgang mit Morandini zurück. Der Sender gehört dem Milliardär Vincent Bolloré, der sich selbst als "katholisch-konservativ" und "reaktionär" bezeichnet und CNews bisher als moralische Alternative zu den öffentlichen Rundfunkanstalten Frankreichs positioniert hatte.
Doch diese Position war bereits ins Wanken geraten. Zuvor hatte CNews ein geleaktes Video veröffentlicht, das zeigte, wie öffentliche Sender ihre Wahlberichterstattung mit Funktionären der Sozialistischen Partei abstimmten. Die Aufnahmen nutzte CNews, um Konkurrenten anzugreifen – doch der Morandini-Fall untergräbt nun Bollorés Anspruch auf moralische Überlegenheit. Zudem hat die Medienaufsichtsbehörde Arcom den Sender bereits mehrfach wegen Verstößen gegen Medienregeln mit Bußgeldern belegt.
Innerhalb weniger Tage hat CNews zwei seiner größten Namen verloren. Mit beschädigtem Ruf und wachsenden rechtlichen Konsequenzen steht der Sender nun vor der Frage, wie es weitergeht. Der Skandal offenbart die Spannungen zwischen dem kämpferischen Auftritt des Senders und dem Verhalten seiner eigenen Stars.






