BP kämpft mit Umstrukturierung, Ölpreisen und sinkender Marktkapitalisierung
Felix HoffmannBP kämpft mit Umstrukturierung, Ölpreisen und sinkender Marktkapitalisierung
BP treibt Umstrukturierung voran – Ölpreise steigen, Herausforderungen mehren sich
Der britische Energiekonzern BP setzt seine weitreichende Umstrukturierung fort, während die Ölpreise stark anziehen und die betrieblichen Herausforderungen wachsen. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesunken – von etwa 85 Milliarden Pfund auf 72 Milliarden Pfund. Gleichzeitig prägen Arbeitskonflikte und strategische Verkäufe die Zukunft des Konzerns.
In den letzten Monaten musste BP mehrere Rückschläge hinnehmen. Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte in der Raffinerie Whiting im US-Bundesstaat Indiana sind weiterhin ausgeschlossen, nachdem die Tarifverhandlungen gescheitert sind. Der Streit belastet das Unternehmen zusätzlich, während es seine Sparmaßnahmen beschleunigt.
Die Ölpreise sind zuletzt stark gestiegen: Die Nordsee-Sorte Brent erreichte 112 US-Dollar pro Barrel. Der Anstieg folgt auf schwere Blockaden in der Straße von Hormus, durch die fast 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggas-Lieferungen (LNG) unterbrochen wurden. Trotz der höheren Preise kämpft BP weiterhin mit finanziellen Problemen – bedingt durch ein globales Überangebot, Konkurrenz durch erneuerbare Energien und die Skepsis von Investoren angesichts des zögerlichen Umstiegs auf grüne Energien.
Um die Finanzen zu stabilisieren, hat BP sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 angehoben. Zudem plant der Konzern, bis dahin Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden Dollar zu veräußern – davon sind bereits über 11 Milliarden Dollar gesichert. Ein zentraler Schritt ist der Verkauf der Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group. Mit dem Deal wechseln rund 1.800 Mitarbeiter den Besitzer, und BP kann Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 1,7 Milliarden Dollar aus der Bilanz nehmen.
Analysten bewerten die Entwicklungen unterschiedlich. Die HSBC hat die BP-Aktie kürzlich von "Reduzieren" auf "Halten" hochgestuft und das Kursziel angehoben – der Raffinerieverkauf gelte als positiver Schritt. Auch die US-Regierung hat die Lieferketten entlastet, indem sie eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act erteilte. Dadurch dürfen ausländische Schiffe vorübergehend Waren zwischen US-Häfen transportieren.
BP setzt seine Neuausrichtung fort, während es sich mit hohen Ölpreisen, Arbeitskämpfen und einem schrumpfenden Börsenwert auseinandersetzt. Der Verkauf der deutschen Raffinerie und die ausgeweiteten Sparmaßnahmen sollen die Liquidität sichern und die finanzielle Position stärken. Die Schritte erfolgen in einer Phase, in der sich die Energiemärkte wandeln und die regulatorischen Anforderungen steigen.






